28. Februar 2026
Kurze Erklärung: Dieser Artikel erklärt, warum ich jedem, der bereits mit KI-Sprachmodellen wie ChatGPT arbeitet, empfehle, jetzt zu Claude zu wechseln – und warum das nicht nur mit Technik zu tun hat, sondern mit Haltung. Ich habe keinerlei finanzielle Verbindung zu Anthropic, keine Partnerschaft, kein Sponsoring, keine Provision. Was folgt, ist meine persönliche Einschätzung als Nutzer – nicht mehr, und nicht weniger.
Vorgestern hatte ich einen offenen Brief an Dario Amodei veröffentlicht, den CEO von Anthropic – dem Unternehmen hinter der KI Claude. Ich hatte ihn geschrieben, weil gestern Abend um 17:01 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit ein krasses Ultimatum des US-Verteidigungsministeriums ablief, das Anthropic zwingen sollte, seine ethischen Leitplanken für den militärischen Einsatz fallen zu lassen. Wenn du den Brief noch nicht gelesen hast, findest du ihn hier.
Warum dich das etwas angeht
Falls du gerade denkst: „Was geht mich das an und warum regt sich der Lindau so auf?“
Künstliche Intelligenz ist die mächtigste Technologie, die Menschen je entwickelt haben. Sie kann Krankheiten diagnostizieren, wissenschaftliche Durchbrüche beschleunigen und Millionen Menschen den Zugang zu Wissen ermöglichen, der ihnen bisher verwehrt war.
Dieselbe Technologie kann aber auch autonome Waffen steuern, Massenüberwachung ermöglichen und die Macht weniger über viele zementieren.
Jedes KI-Unternehmen der Welt steht deshalb vor einem Dilemma, d
as nicht eindeutig lösbar, sondern nur behutsam gestaltbar ist:
Das Militär der eigenen Regierung klopft an und sagt – wir brauchen eure Technologie, um das Land zu schützen. Nein zu sagen bedeutet, den Schutz des eigenen Landes zu gefährden und möglicherweise vernichtet zu werden. Ja zu sagen ohne Bedingungen bedeutet, eine Technologie freizugeben, deren Missbrauch Millionen betreffen kann. Was gerade zwischen Anthropic und dem Pentagon passiert, ist der erste echte Testfall dafür, ob ein KI-Unternehmen in diesem Dilemma Bedingungen stellen darf – oder ob die Macht des Staates jedes Gespräch beendet, bevor es begonnen hat.
Die jüngsten Entwicklungen
Anthropic hat nicht nachgegeben. Das Ultimatum lief ab. Daraufhin hat Donald Trump persönlich auf Truth Social verkündet: Jede Bundesbehörde der Vereinigten Staaten muss die Nutzung von Anthropic-Technologie sofort einstellen. Wörtlich nannte er Anthropic „linksradikale Spinner”, die einen „katastrophalen Fehler” gemacht hätten. Es gibt eine Übergangsfrist von sechs Monaten.
Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Anthropic anschließend als „Supply-Chain Risk to National Security” eingestuft – eine Bezeichnung, die normalerweise feindlichen Staaten und deren Unternehmen vorbehalten ist, wie etwa Huawei aus China. Das bedeutet: Kein Unternehmen, das mit dem US-Militär zusammenarbeitet, darf künftig mit Anthropic Geschäfte machen. Hegseth schrieb auf X: „Amerikas Kriegskämpfer werden niemals als Geiseln der ideologischen Launen von Big Tech gehalten. Diese Entscheidung ist endgültig.”
Noch am selben Abend verkündete OpenAI-CEO Sam Altman, dass sein Unternehmen einen Deal mit dem Pentagon für klassifizierte Netzwerke abgeschlossen hat. Derselbe Altman, der noch am Donnerstag gesagt hatte, er teile Anthropics Bedenken bezüglich autonomer Waffen und Massenüberwachung. Derselbe Altman, der intern an seine Mitarbeiter schrieb, OpenAI habe dieselben „roten Linien” wie Anthropic.
Und jetzt wird es richtig interessant: Laut Altman hat das Pentagon bei OpenAI genau den gleichen Einschränkungen zugestimmt, die Anthropic seit Monaten gefordert hatte – keine Massenüberwachung, keine autonomen Waffen, Menschen behalten die Kontrolle über den Einsatz von Gewalt. CNN berichtet: „Es ist unklar, warum das Pentagon OpenAI die Bedingungen gewährte, die es Anthropic verweigerte.”
Es ging also nicht nur um Sicherheitsklauseln. Es war ein Exempel. Eine Machtdemonstration. Und die Belohnung geht an die, die gespendet haben.
Folge dem Geld
Wenn du verstehen willst, wofür ein Unternehmen wirklich steht, schau nicht auf seine Website. Folge seinem Geld.
Elon Musk (xAI / Grok): Musk hat über 290 Millionen Dollar in Trumps Wahlkampf 2024 investiert. Er war der größte Einzelspender. Sein KI-System Grok steht dem Pentagon für „jeden rechtmäßigen Zweck” zur Verfügung – ohne jede ethische Einschränkung. Grok ist dasselbe System, das kürzlich weltweit für Empörung sorgte, weil es ungefragt hochsexualisierte Deepfakes von realen Personen generierte. Musk nannte Anthropic gestern auf X „zivilisationsfeindlich.”
Sam Altman / OpenAI (ChatGPT): Altman spendete persönlich 1 Million Dollar an Trumps Inaugurations-Fonds und sagte: „President Trump will lead our country into the age of AI.” OpenAIs Präsident Greg Brockman und seine Frau gaben 25 Millionen Dollar an Trumps Super PAC MAGA Inc. OpenAI begann als gemeinnützige Organisation, wurde gewinnorientiert – und strich 2024 das Wort „safely” aus seinem Unternehmensleitbild. Und jetzt, Stunden nach Anthropics Blacklisting, bekommt OpenAI den Pentagon-Vertrag für klassifizierte Netzwerke. Mit angeblich denselben Sicherheitsklauseln, die Anthropic nicht gewährt wurden.
Google (Gemini): Google spendete 1 Million Dollar an Trumps Inaugurations-Fonds. Das Unternehmen hat seine interne Selbstverpflichtung, KI nicht für Waffen und Überwachung einzusetzen, bereits im Februar 2025 aufgegeben.
Anthropic (Claude): Hat keine Spenden an Trump oder seine Infrastruktur geleistet. Hat stattdessen 20 Millionen Dollar an eine politische Gruppe gespendet, die sich für stärkere KI-Regulierung einsetzt. Und wird jetzt – heute, während du das liest – vom Präsidenten der Vereinigten Staaten persönlich als Sicherheitsrisiko eingestuft und von allen Regierungsverträgen ausgeschlossen.
Wenn du ein ChatGPT-Plus-Abo für 20 Dollar im Monat bezahlst, finanzierst du ein Unternehmen, dessen Führung massiv in Trumps politische Maschinerie investiert hat. Wenn du ein Claude-Pro-Abo für 20 Dollar im Monat bezahlst, unterstützt du das einzige KI-Unternehmen, das gerade den höchsten Preis für Haltung bezahlt.
Jedes Abo ist eine Stimme. Jede.
Drei weitere interessante Punkte
Wer zahlt die Stromrechnung?
Das Training eines einzigen Sprachmodells verschlingt so viel Energie wie eine Kleinstadt. Anthropic hat sich im Februar 2026 verpflichtet, 100 Prozent der Strompreissteigerungen zu übernehmen, die durch ihre Rechenzentren für Verbraucher entstehen – inklusive aller Netzausbaukosten.
Wer behält das Geld?
Im Januar 2026 haben alle sieben Mitgründer von Anthropic sich verpflichtet, 80 Prozent ihres persönlichen Vermögens zu spenden – bei einem geschätzten Einzelvermögen von jeweils mindestens 3,7 Milliarden Dollar. Die Begründung kam als 38-seitiger Essay, in dem Dario Amodei davor warnt, dass KI eine Vermögenskonzentration erzeugen wird, die Gesellschaften zerbrechen kann.
Wer entscheidet, was die Maschine für richtig hält?
Bei den meisten KI-Unternehmen wird das Verhalten der Modelle von Ingenieuren und Produktmanagern gesteuert. Anthropic beschäftigt dafür eine Philosophin: Amanda Askell, promoviert in Ethik an der NYU, leitet das „Personality Alignment Team” und hat das über 23.000 Wörter umfassende Handbuch für Claudes Charakter geschrieben – seine sogenannte „Seele”. Das ist eine Grundsatzentscheidung: Soll die Frage, wie sich eine KI verhält, eine technische Frage sein – oder eine philosophische?
Warum ich mich “einmische”
Ich bin kein Tech-Experte. Ich bin jemand, der noch gar nicht so lang intensiv mit Claude arbeitet – als Coach, als Autor, als Unternehmer. Ich habe vorher mit ChatGPT gearbeitet. Und ich habe gewechselt. Nicht aus technischen Gründen, sondern weil ich irgendwann gemerkt habe, dass das Werkzeug, mit dem ich arbeite, eine Haltung hat, die wesentlich mehr meiner eigenen entspricht.
Was ich hier darüber schreibe, ist meine persönliche Einschätzung. Kein Expertenurteil. Ich kann mich irren. Ich kann meine Meinung morgen ändern, wenn neue Fakten auf den Tisch kommen. Ich halte keine KI für perfekt – auch Claude nicht. Aber ich glaube, dass der Moment, in dem wir uns befinden, eine bewusste Entscheidung verdient. Und dafür braucht man Informationen.
Hier sind meine.
Die Solidaritätswelle – und ihr Verrat
Über 200 Google-Mitarbeiter und mehr als 60 OpenAI-Mitarbeiter – also Angestellte der Konkurrenz – haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie sich mit Anthropics Haltung solidarisieren. Der Titel: „We Will Not Be Divided” – Wir lassen uns nicht spalten. Die Verfasser warnen: Das Pentagon versuche, die Unternehmen gegeneinander auszuspielen.
Hunderte weitere Mitarbeiter bei Microsoft und Amazon forderten ihre Unternehmen auf, dieselben Einschränkungen durchzusetzen wie Anthropic. Ein pensionierter Air-Force-General schrieb: „Eine Zielscheibe auf Anthropic zu malen liefert würzige Schlagzeilen, aber am Ende verlieren alle.”
Sogar Sam Altman sagte am Donnerstag, er halte es persönlich nicht für richtig, dass das Pentagon Unternehmen mit dem Defense Production Act droht. Intern schrieb er seinen Mitarbeitern, OpenAI teile Anthropics rote Linien.
Und dann, Freitagabend, hat genau dieses Unternehmen den Vertrag unterschrieben, der durch Anthropics Bestrafung frei wurde.
Senator Mark Warner, stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, formulierte es so: Es stellt sich die Frage, ob nationale Sicherheitsentscheidungen von sorgfältiger Analyse getrieben werden – oder ob hier Verträge an bevorzugte Anbieter gesteuert werden, deren Modelle von Bundesbehörden bereits als Sicherheits- und Zuverlässigkeitsrisiko eingestuft wurden.
Das Pentagon hingegen reagiert mit der Tonlage, die du von Schulhofmobbing kennst. Unterstaatssekretär Emil Michael behauptete, Amodei habe einen „Gotteskomplex”. Pressesprecher Sean Parnell schrieb: „Wir lassen KEIN Unternehmen die Bedingungen diktieren.” Trump drohte, „die volle Macht der Präsidentschaft” einzusetzen, falls Anthropic nicht gehorcht.
Wie Anthropic reagiert
Anthropic hat angekündigt, die Supply-Chain-Risk-Einstufung gerichtlich anzufechten. In einem Statement erklärte das Unternehmen, es sei „zutiefst traurig über diese Entwicklungen” und die Einstufung sei „rechtlich unhaltbar” und setze „einen gefährlichen Präzedenzfall für jedes amerikanische Unternehmen, das mit der Regierung verhandelt.”
Rechtsexperten wie Professor Alan Rozenshtein (Lawfare) bezeichnen die Drohung mit dem Defense Production Act gegen ein KI-Unternehmen als „beispiellos in der Geschichte des Gesetzes.” Das Gesetz aus dem Koreakrieg wurde entwickelt, um Stahlwerke und Panzerfabriken zur Produktion zu verpflichten – nicht um einem Software-Unternehmen vorzuschreiben, welche Sicherheitseinstellungen sein Produkt haben darf.
Was ich als Nutzer beobachte
Jetzt zum praktischen Teil – und hier spreche ich ausschließlich als Anwender, der erst seit wenigen Monaten mit Claude arbeitet, vor allem im Kontext von Coaching, Kursentwicklung, Schreiben und persönlicher Reflexion.
Tiefe statt Gefälligkeit. Das war der Hauptgrund für meinen Wechsel. ChatGPT gibt dir schnell eine Antwort. Claude denkt mit. Claude fragt zurück. Claude benennt Widersprüche in dem, was ich sage – nicht weil es mich ärgern will, sondern weil es mir helfen will, klarer zu werden. Für jeden, der als Coach, Therapeut oder in der Bewusstseinsarbeit tätig ist, ist das ein fundamentaler Unterschied. Du willst kein Werkzeug, das dir sagt, was du hören willst. Du willst eines, das dir hilft, tiefer zu schauen.
Nuancierte Sprache. Claude hält Ambivalenz aus. Es simplifiziert nicht. Wenn ein Thema komplex ist, sagt Claude: Das ist komplex – und erklärt dann, warum. Für alle, die mit Menschen in Veränderungsprozessen arbeiten, ist das Gold wert.
Sensibilität bei heiklen Themen. Claude ist so gebaut, dass es bei Themen wie psychische Gesundheit, Trauma, Krisen oder Suizidalität differenzierter und vorsichtiger reagiert als die Konkurrenz. Wenn du mit Menschen arbeitest, ist das eine Grundvoraussetzung.
Was Claude konkret kann – Stand Februar 2026
Was genau kann Claude , was ChatGPT nicht kann? Die Antwort hat sich gerade in den letzten Wochen signifikant verändert. Hier die wichtigsten Punkte, so verständlich wie möglich:
Das Gehirn: Claude Opus 4.6
Claude läuft auf Opus 4.6, dem aktuell leistungsstärksten Modell von Anthropic. In unabhängigen Tests (Tom’s Guide, Februar 2026) schlägt es ChatGPT bei produktivitätsrelevanten Aufgaben – also dem, was du im Arbeitsalltag wirklich brauchst: Texte schreiben, Dokumente analysieren, Recherchen zusammenfassen, komplexe Sachverhalte erklären.
Claude hat die niedrigste „Halluzinationsrate” aller großen KI-Modelle – die geringste Neigung, Dinge zu erfinden und als Fakten zu präsentieren. Circa 3 % gegenüber 6 % bei ChatGPT. Für alle, die mit Menschen arbeiten und ihnen verlässliche Informationen geben müssen, ist das kein Detail.
Claudes Kontextfenster fasst bis zu 1 Million Tokens (in der Beta). Das ist, grob übersetzt, so viel wie mehrere Romane auf einmal. ChatGPT kommt auf 128.000 Tokens. In der Praxis heißt das: Du kannst Claude ein komplettes Buchmanuskript, einen ganzen Kurs oder ein Archiv von Transkripten geben – und es behält den Faden.
Die Schreibqualität. Tom’s Guide formuliert es so: ChatGPT-Texte „schreien förmlich: Ein Roboter hat das geschrieben.” Claudes Texte fühlen sich wärmer, natürlicher und weniger formelhaft an.
Claude in Excel – KI direkt in deiner Tabellenkalkulation
Claude sitzt jetzt als Add-in direkt in Microsoft Excel. Du öffnest eine Seitenleiste, stellst deine Frage in normalem Deutsch – und Claude erklärt dir, was in deiner Tabelle passiert. Es versteht Formeln über mehrere Tabellenblätter hinweg, findet Fehler und kann Änderungen vornehmen, ohne die Logik deiner Tabelle zu zerstören.
Es kann Pivot-Tabellen bearbeiten, Diagramme anpassen, bedingte Formatierungen anlegen und Daten sortieren und filtern. Für alle, die mit Finanzen, Kursverwaltung oder Auswertungen arbeiten: Das ist, als hättest du einen geduldigen Excel-Experten neben dir sitzen.
Verfügbar für alle bezahlten Pläne (ab Claude Pro für 20 Dollar).
Claude Cowork – dein digitaler Assistent auf dem Desktop
Cowork verwandelt Claude von einem Chatfenster in einen Assistenten, der eigenständig mehrstufige Aufgaben auf deinem Computer erledigt. Du beschreibst, was du brauchst – und Claude plant die Schritte, führt sie aus und liefert das Ergebnis.
Beispiele: „Sortiere meinen Downloads-Ordner nach Dateityp, benenne alles sinnvoll um und lösche Duplikate.” Oder: „Lies dieses Projektbriefing, recherchiere aktuelle Markttrends, erstelle eine Analyse als Word-Dokument und einen Zeitplan als Excel-Tabelle.” Claude macht das. Eigenständig. In einem Durchgang.
Cowork erstellt direkt Word-Dokumente, PowerPoint-Präsentationen, Excel-Tabellen und PDFs – im Chat. Kein Umweg über andere Programme.
Es funktioniert auf Mac und Windows und ist für alle bezahlten Pläne verfügbar.
Vernetzt mit deinen Arbeitstools
Claude verbindet sich jetzt mit Google Drive, Gmail, Google Calendar, Slack, Notion, Asana, DocuSign und vielen weiteren Diensten. Claude kann deine Google-Drive-Dokumente durchsuchen, deine E-Mails zusammenfassen, Termine koordinieren und Aufgaben in deinem Projektmanagement-Tool anlegen – alles aus einem einzigen Fenster.
Für Coaches und Unternehmer, die ihr Business mit Google Workspace oder Slack organisieren: weniger Kontextwechsel, weniger Tabs, weniger kognitive Last.
Claude Code – für die Mutigen unter euch
Ursprünglich für Entwickler gebaut, wird Claude Code zunehmend von Nicht-Programmierern genutzt. Menschen ohne Programmierkenntnisse bauen funktionierende Apps, Websites und Automatisierungen – indem sie Claude einfach beschreiben, was sie wollen.
Die Kurzfassung: Claude ist nicht einfach „ein anderer Chatbot”. Es ist ein System, das in deinem Excel arbeitet, auf deinem Desktop eigenständig Aufgaben erledigt, sich mit deinen Arbeitstools verbindet, bessere Texte schreibt, weniger halluziniert und mehr Kontext gleichzeitig verarbeiten kann als die Konkurrenz. Für denselben Preis.
Es gibt kein Schwarz-Weiß
Dieser Artikel ist keine Lobeshymne auf Claude. Das wäre zu einfach und nicht integer.
Anthropic hat am selben Tag, an dem es dem Pentagon die Stirn bot, seine eigene Sicherheitspolitik aufgeweicht. Das zentrale Versprechen von 2023 – kein gefährlicheres KI-Modell zu trainieren, solange die Sicherheitsmaßnahmen nicht nachweislich ausreichen – wurde durch eine flexiblere Formulierung ersetzt. Anthropic wird die Entwicklung jetzt nur noch stoppen, wenn es einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz hat und ein konkretes katastrophales Risiko vorliegt. In der Praxis heißt das: Solange die Konkurrenz mitzieht, wird Anthropic nicht bremsen.
Das ist ein Widerspruch, den man benennen muss.
Die Palantir-Verbindung. Claude lief auf den klassifizierten Netzwerken des US-Militärs über einen Vertrag mit Palantir – einem Unternehmen, dessen CEO Alexander Karp 1 Million Dollar an Trumps Super PAC MAGA Inc. gespendet hat. Claude wurde offenbar bei einer militärischen Operation zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Maduro eingesetzt. Die roten Linien, die Anthropic verteidigt, waren also schon vorher durchlässiger als dargestellt.
Anthropic ist nicht perfekt. Es ist ein Unternehmen mit 380 Milliarden Dollar Bewertung, einem geplanten Börsengang und Investorenerwartungen. Es bewegt sich in denselben Marktlogiken wie alle anderen. Die Frage ist nicht, ob Anthropic ein moralisch reines Unternehmen ist – das ist keines von den gegenwärtig großen.
Die Frage ist, ob es in diesem konkreten Moment, unter diesem konkreten Druck, die richtige Entscheidung trifft. Und die Antwort, nach den Ereignissen von gestern Nacht, ist für ich klaree als je zuvor: Ja. Anthropic hat nicht nachgegeben. Nicht als das Pentagon drohte. Nicht als der Präsident persönlich angriff. Nicht als OpenAI den Vertrag einsammelte.
Meine Empfehlung ist mein laienhafter, persönlicher, aktueller Stand. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn sich die Fakten ändern, werde ich meine Meinung und meine Nutzung anpassen.
Der Umzug ist einfacher als du denkst
Ich weiß, Umziehen ist nervig und viele denken (war auch meine Hürde): „Das klingt einleuchtend, aber ich bin bei ChatGPT und der Umzug ist mir zu kompliziert.” Er ist tatsächlich einfach. Braucht nur ein bisschen Zeit und Umdenken.
Worum es wirklich geht
Bitte verstehen: Ich schreibe diesen Artikel nicht als Anthropics Pressesprecher. Ich schreibe, um uns alle zum Nachdenken anzuregen.
Ich schreibe ihn , weil ich glaube, dass alle, die die Wahl getroffen haben, mit KI zu arbeiten, eine winzige und dennoch wichtige Entscheidungskraft für die Zukunft der Menschheit innehaben. Ich glaube, dass die kommenden 2, 3 Jahre uns immer wieder neu zwingen werden, unsere Werte feinzuziehen und unsere Entscheidungen danach auszurichten. Und sehr genau zu wählen, welche Tendenzen und Unternehmen wir wirtschaftlich unterstützen.
Wenn du als Coach, Therapeut, Autor, Lehrer oder einfach als Mensch mit Haltung KI nutzt – dann wähle bewusst, welches System du finanzierst. Wenn jemand gerade einen hohem Preis für eine pro-Mensch-Haltung bezahlt, verdient er es aus meiner Sicht, dass wir ihm den Rücken stärken.
Warum ich übrigens nicht glaube, dass sich komplett dem Thema entziehen, die richtige Lösung ist, habe ich in vielen Beiträgen der letzten zwei Jahre erklärt.
Wenn du tiefer einsteigen willst
Die Fragen, die der Artikel aufwirft, beschäftigen mich nicht erst seit gestern. Gemeinsam mit Björn Schnare und einem Expertenteam, zu dem unter anderem Mo Gawdat (ehemaliger Chief Business Officer von Google) und Dr. Patrick Grete (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) gehören, biete ich mit HUMAN ⦽ AI ein Programm an, das genau an dieser Schnittstelle ansetzt:
Wie nutzt du KI so, dass sie dir wirklich dient – ohne deine Werte zu verraten? Kein nüchterner Technik-Kurs. Sondern eine integrale Auseinandersetzung mit der mächtigsten Technologie unserer Zeit – praktisch, ethisch und persönlich. Vom Einstieg ohne Vorkenntnisse (Foundation, 2 Monate) bis zur Zertifizierung als Mensch-KI-Botschafter:in.



Ich habe Heute ein Max-Abo abgeschlossen! 🪬💖
Lieber Veit, ich konnte dir nur bis zur Hälfte folgen, dann ging die Schranke runter. Aber ich weiss dass UNS die Verantwortung durchdringlich wichtig ist. Da Du in einem Thema informiert bist, dessen Atem ich im Kleinen lebe und spüre, bin ich dir dankbar für die Transaktion. Wohin fliesst mein Geld? Ich werde deinem Rat folgen und Chat Gpt verlassen. Verlasse grad ziemlich viel, das kann ich das auch noch zurücklassen... Das ist eine technische Hausaufgabe für mich. Kleine OP am offenen Herzen? Nicht zucken